DSLR-Filmen: 5 Tipps für Video-Einsteiger

Sandra Sperber DSLR Video Reporterin

Ich arbeite meist mit der Canon 60D und verschiedenen Festbrennweiten, sowie dem Canon 24-70mm f/2.8 Zoom

Ein Fotoapparat als Videokamera: Das verspricht tolle Bilder, aber bedeutet auch mehr Aufwand beim Drehen. Sandra Sperber gibt Praxistips für Neulinge und Umsteiger.

1. Fotografieren lernen

Wer mit der Spiegelreflexkamera (DSLR) filmen will, muss zunächst die Grundfunktionen des Fotoapparats beherrschen und sein Equipment kennen. Denn eines ist klar: Drehen im Automatik-Modus macht keinen Sinn – die Vorzüge der DSLR wären verschenkt. Geht auf Foto-Safari, probiert die Kamera aus! Und lernt folgende Grundlagen:

Was ist der ISO-Wert?

Aufnahme bei ISO-Wert 3200: besonders in dunklen Bereichen sind störende Punkte erkennbar

Aufnahme bei ISO-Wert 3200: besonders in dunklen Bereichen sind störende Punkte erkennbar

Er regelt die Lichtempfindlichkeit des Kamerasensors (an Camcordern vergleichbar mit dem Gain-Wert). Draußen kommt man in der Regel mit einem geringen ISO-Wert von 100 aus. In Räumen kommt man schnell in den 1000er Bereich.

Je nach Kamera-Qualität steigt dann früher oder später das sogenannte Bildrauschen. Es grieselt also, Details und Ränder verschwimmen.

Wie wirkt sich die Belichtungszeit aus?

Die Belichtungszeit regelt, wie lange Licht auf den Bildsensor fällt. Beim Fotografieren kann man damit bewusst Effekte erzielen (z.B. Wasser „einfrieren“). Das Blog Kwerfeldein erklärt das hier genauer.

Beim Drehen (im 25p Modus) sollte man die Belichtungszeit möglichst auf den Wert 50, also 1/50 Sekunde, stellen, damit die Bilder flüssig wirken. Wer eine kleinere Zahl wählt, läuft Gefahr, dass die Bilder verwischt und unscharf wirken. Bei einer deutlich größeren Zahl sehen viele Aufnahmen ruckelig aus. Warum? Das erklärt Fotograf Gunther Wegner hier.

Bei Sonnenschein im Freien werdet ihr feststellen, dass ihr bei einer Belichtungszeit von 1/50 und dem niedrigsten ISO-Wert die Blende  schließen müsst (z.B. f/13), um kein überstrahltes Bild zu bekommen. Wer dennoch mit einer offenen Blende drehen will, braucht einen sogenannten ND-Filter, den man auf das Objektiv aufschraubt und der quasi die Aufnahme verdunkelt. Ich habe gute Erfahrungen gemacht mit einem sogenannten Vario-ND-Filter. Er besteht aus zwei Scheiben, von denen eine fest mit der Kamera verschraubt ist und die andere drehbar ist. So kann man den Verdunklungseffekt variieren, je nachdem wie hell es in der Umgebung ist.

Wie stellt man manuelle die Blende ein? (dazu mehr unter Punkt 2)

Programmrad Canon 60DBei den ersten Foto-Versuchen helfen Programme wie Av (nur die Blende wird manuell eingestellt, den Rest übernimmt die Kameraautomatik). Mit ein bisschen Übung kann man auch im komplett manuellen M-Modus fotografieren. Erst wenn das klappt, macht es Sinn, den Video-Modus auszuprobieren.

 

2. Blende bewusst wählen

Wie wirken sich Brennweite und Blendenöffnung auf den Spiegelreflex-Look (also die Schärfentiefe) aus?

  • Offene Blende (niedriger Wert) → geringe Schärfentiefe

Auswirkung der Blende auf die Schärfentiefe

Dieses Bild wurde mit dem selben Objektiv (85mm) bei unterschiedlichen Blendenöffnungen aufgenommen. Bei einem Blendenwert von 1.8 ist nur der anfokussierte grüne Stift scharf. Je weiter man die Blende schließt (hoher Wert), desto mehr Stifte liegen im Schärfenbereich.

  • Große Brennweite → geringe Schärfentiefe

Das linke Bild unten wurde mit großer Brennweite, also einem Teleobjektiv (85mm f/1.8) aufgenommen. Das mittlere Bild wurde mit geringerer Brennweite (28mm f/1.8) fotografiert. Das rechte Bild ist ein Ausschnitt des mittleren Bildes.

Auswirkung der Brennweite auf die Schärfentiefe

Auch wenn hier der Unterschied nicht ganz so deutlich ist, wird klar: Eine lange Brennweite (links) lässt den Hintergrund unschärfer erscheinen als eine kleine Brennweite (mitte, rechts).

Auch die Kamera-Wahl hat einen Einfluss auf die Schärfentiefe.

  • Großer Sensor → geringe Schärfentiefe

Vollformat-Kameras (z.B. Canon 5D Mark III) haben hier also einen Vorteil gegenüber einer DSLR mit sogenanntem Crop-Sensor (z.B. Canon 70D).

Viele Anfänger sind anfangs dermaßen begeistert von der geringen Schärfentiefe ihrer neuen Kamera, dass sie diesen Effekt überstrapazieren und alle Bilder mit möglichst offener Blende drehen.

Doch nicht immer macht das Sinn: Wer ein Bild vom Reichstag drehen will, aber nur das Absperrgitter im Vordergrund scharf stellt, wird sich spätestens am großen Computer-Bildschirm ärgern. Totalen also lieber mit geschlossenerer Blende drehen (außer der Effekt wird bewusst gewünscht).

Auch bei Interviews macht man sich mitunter selbst das Leben schwer, wenn sich der Interviewpartner viel bewegt und damit bei extrem kleiner Blendenzahl (z.B. 1.2, also geringer Schärfentiefe) das Fokussieren erschwert.

 

3. Das Objektiv zählt

Viele Neulinge stellen vor allem die Frage: Welche Kamera soll ich mir kaufen? Aber mindestens genauso wichtig für ein hochwertiges Ergebnis sind gute, lichtstarke Objektive. Natürlich liefern Vollformatkameras die professionellsten Bilder. Doch wer ein begrenztes Budget hat, sollte nicht all sein Geld für eine teure Kamera ausgeben und dann mit dem günstigsten Objektiv drehen.

Objektive standard und festbrennweiteFür den Einstieg kann es Sinn machen, mit einem guten Allround-Zoom (hier Canon 24-105mm f/4) zu drehen und eine lichtstärkere Festbrennweite (z.B. Canon 50mm f/1.4) für Interviews und Detailaufnahmen zu verwenden.

Gerade beim Drehen haben viele sogenannte Kit-Objektive, die günstig im Paket mit der Kamera verkauft werden, einen entscheidenden Nachteil: keine durchgehende Blende. Das bedeutet: Wer beispielsweise mit dem Zoom Canon EF-S 18-135mm f/3.5-5.6 eine Halbtotale (also ein sehr offenes Bild) bei Blende 3.5 dreht und dann für eine Detailaufnahme heranzoomt, kämpft plötzlich mit einem dunkleren Bild. Denn die Blende hat sich automatisch geschlossen auf einen Wert von 5.6.

Der Zusatz f/3.5-5.6 im Namen gibt also die maximale Blendenöffnung an, die in diesem Fall, je nach Brennweite zwischen 3.5 und 5.6 variiert. Das kann beim Drehen oft nerven, weil man dann für Detailbilder den ISO-Wert verändern muss.

 

4. Stativ verwenden

Eigentlich verführen die vergleichsweise kleinen Spiegelreflexkameras dazu, mal schnell aus der Hand zu filmen. Dennoch ist das keine gute Idee. Nicht immer hat man in seiner DSLR einen guten Bildstabilisator. Bei Canon ist er beispielsweise nicht im Kamera-Body sondern nur in manchen Objektiven eingebaut (erkennbar am Kürzel IS). Ohne den Stabilisator wirken die Bilder wackelig und unruhig. Das Zittern der Hände bemerkt man oft erst richtig beim Schneiden des Materials.

Außerdem lohnt es sich, Bilder bewusst (ähnlich wie ein Foto) zu komponieren. Durch den kontrastreichen, dreidimensionalen DSLR-Look sind Standbilder oft interessanter als Schwenks, wie man sie aus dem klassischen Fernsehen kennt.

 

5. Immer mit der Ruhe

FunkstreckePlant mehr Zeit ein als bei einem „gewöhnlichen“ Dreh! Objektive wechseln, ND-Filter abschrauben, Ton separat aufnehmen: Vieles ist ein bisschen aufwendiger als mit einem Camcorder. Und wer noch gar keine Videoerfahrung hat, sollte ohnehin vor dem ersten Interview sein Equipment gut kennenlernen.

Über die technischen Herausforderungen und die besten Einsatzmöglichkeiten habe ich in der Vergangenheit schon gebloggt. Und hier gibt’s mehr zu meinem Equipment: http://webvideoblog.de/filmen-mit-spiegelreflexkamera-dslr-zubehoer-fuer-vj-videojournalisten/

16 comments for “DSLR-Filmen: 5 Tipps für Video-Einsteiger

  1. Rehbach
    3. Juli 2014 at 08:01

    Hallo,
    Vorschlag: Bei derartigen Texten sollte man immer die gleichen Ausdrücke verwenden:
    große Brennweite und nicht wechseln zu lange Brennweite
    kleine Brennweite bleibt ebenfalls kleine Brennweite.
    Und-> Matheaufgabe zuerst, dann erst K absenden

    MfG
    Rehbach

  2. Joe
    23. Juli 2014 at 08:28

    Hallo liebe Sandra!

    Habe gerade diesen Blog gefunden und bin begeistert. Ich habe vor ein paar Monaten begonnen als VJ in meiner Freizeit für ein Internetforum kurze Beiträge zu drehen. Ich habe zwar früher mal als Redakteur bei einem kleinen TV-Sender gearbeitet und auch ein paar Semester Publizistik mit Schwerpunkt – Film Fernsehen und Radio studiert, bin aber letztendlich nicht in diesem Beruf gelandet! Warum weiß der Kuckuck und der weiß eigentlich gar nix :-). Momentan verschlinge ich alles was mit Video und Filmen zu tun hat. Mein Equipment umfasst jetzt die Nikon D7000, ein Stativ, ein Kameralicht LED, ein Richtmikrofon, ein Ansteckmikro (allerdings nur mit Kabel) und einen Viewfinder von Kamerar. Im September kommt dann noch ein Shoulder Rig mit FollowFocus dazu (Burtzeltag). Durch deinen Blog habe ich wieder viel dazugelernt. Vor allem das mit der Belichtungszeit von 50 war sehr hilfreich. Ich filme jetzt auch mit einer größeren Blendzahl. Meine Beiträge sind in YouTube unter „linz mobil zeigt auf…“ oder Joe Blattner (da gibt’s zwei – mich und mich) zu finden oder auf der angegeben Homepage. Über Kritik und dgl. wäre ich dankbar. Vor allem was das technische anbelangt. Viele liebe Grüsse aus Österreich resp. Linz an der Donau!

    JOE

    • 23. Juli 2014 at 12:29

      Vielen Dank, freut mich, wenn ich dir ein bisschen weiterhelfen kann!
      Ich bin gerade nicht in Computernähe, melde mich, wenn ich die Gelegenheit hatte, mal auf deinen YT Kanal zu schauen!
      Viele Grüße, Sandra

  3. 14. August 2014 at 22:36

    Hallo Sandra,

    ich höre, bzw sehe immer mehr, dass viele Leute auf Youtube ihre Spiegelreflex zum Aufnehmen ihrer Videos nehmen – finde ich sehr interessant und war mir nie so bewusst. Ich selber habe seit knapp 3 Monaten eine Canon Eos 1000D und so langsam steige ich auch endlich hinter die ganzen Begrifflichkeiten.

    Dein ausführlicher Artikel hat mir wirklich sehr weitergeholfen – Vielen Dank dafür!

    Viele Grüße

    Jens

  4. 2. Oktober 2014 at 17:03

    Klasse Beitrag für die Grundzüge. Lerne gerade all das in meiner Ausbildung und daher auf diesem Weg danke für die Zusammenfassung!

    bg

    Simone

  5. Lilly Hammer
    28. Oktober 2014 at 11:11

    Hallo Sandra,

    vielen Dank für diesen Beitrag, ich finde ihn sehr hilfreich und informativ.
    Die Video- und Bildqualität haben wir so schon um einiges verbessern könnte, Sorgenkind ist und bleibt bei uns allerdings immer noch der Ton.
    Gibt es Tricks ein gutes Video nicht mit einer schlechten Tonqualität zu ruinieren?
    Vielen Dank & beste Grüße

  6. Peter
    8. November 2014 at 17:19

    Hallo,

    erst einmal ganz lieben Dank für diesen Blog, mein Sohn 9 Jahre wünscht sich eine Videokamera zum kommenden Weihnachtsfest nach reichhaltigem Studium unterschiedlichster Beiträge bin ich zwar schlauer geworden was alles möglich ist aber was meine Entscheidung angeht bin ich nun eher verwirrt als alles andere.

    Da ich persönlich lieber Fotografiere als Filme würde ich Ihm lieber eine DSLR schenken vielleicht hast Du ja einen Tipp für mich.

    momentan denke ich über die Sony A58 nach.

    Ich bin wirklich für jeden Tipp dankbar.

    • 10. November 2014 at 17:57

      Hallo Peter,
      in Sachen Consumer Cams bin ich wirklich keine Expertin. Ich verstehe deinen Wunsch nach einem Gerät das „alles“ kann. Allerdings kann ich dir sagen, dass es sehr viel schwieriger ist, mit DSLR Kameras zu filmen, weil die Schärfentiefe sehr viel geringer als bei einem Camcorder ist. D.d. nur ein bestimmter Punkt im Bild ist scharf, der Hintergrund verschwimmt sehr schön, das gibt den sog. Filmlook.
      Damit muss aber im Gegensatz zum Camcorder der Fokus viel genauer bestimmt werden. Wenn man das nicht tut, sind viele Aufnahmen unscharf. Selbst wenn die Kamera einen guten Autofokus hat kann das frustrierend sein. Probiere sie doch mal im Laden aus und teste, ob du ohne viel Vorkenntnisse damit drehen kannst?

      • Irgendwer
        20. Oktober 2015 at 22:46

        Geringe Schärfentiefe ist ganz sicher nicht der sogenannte „Filmlook“. Die Kombinationen professioneller Vorgehensweisen ist der Filmlook. Mit dem richtigen Licht kann die richtige Person mit jedem Smartphone einen Blockbuster drehen…trotz Minisensor

  7. 10. April 2015 at 20:42

    Sehr informativer und leicht verständlicher Ratgeber-Artikel. Besonders schön finde ich, dass Du auch den Faktor Zeit angesprochen hast. Einfach aus der Hand drauf los filmen wie mit einem Camcorder geht in der Tat wirklich nicht. Das ist leider den meisten nicht bewusst.

    Allgemein muss ich auch mal anmerken, dass der Blog mit sehr guten Artikel befüllt ist. Bitte immer weiter so!

  8. 12. Januar 2016 at 11:41

    Schöner Artikel. Gibt den Anfängern echt einen guten Überblick.
    Du müsstest das Vimeo-Video noch austauschen, das ist nicht mehr verfügbar.

  9. 10. März 2016 at 18:38

    Tolle Seite und die Anregungen und Tipps sind für Einsteiger sicher Gold wert, vielen Dank!

  10. 14. Juni 2016 at 20:53

    Vielen Dank für die super Tipps. Ich bin praktisch Wieder-Anfänger. Auf Grund von Hausbau und Familie musste das Hobby erstmal zurück stehen. Damals gab es noch den guten alten VHS Videorecorder. Es hat sich also ganz viel geändert

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