DSLR-Filmen: 5 Tipps fĂŒr Video-Einsteiger

Ein Fotoapparat als Videokamera: Das verspricht tolle Bilder, aber bedeutet auch mehr Aufwand beim Drehen. Sandra Sperber gibt Praxistips fĂŒr Neulinge und Umsteiger.

Sandra Sperber DSLR Video Reporterin

1. Fotografieren lernen

Wer mit der Spiegelreflexkamera (DSLR) filmen will, muss zunĂ€chst die Grundfunktionen des Fotoapparats beherrschen und sein Equipment kennen. Denn eines ist klar: Drehen im Automatik-Modus macht keinen Sinn – die VorzĂŒge der DSLR wĂ€ren verschenkt. Geht auf Foto-Safari, probiert die Kamera aus! Und lernt folgende Grundlagen:

Was ist der ISO-Wert?

Aufnahme bei ISO-Wert 3200: besonders in dunklen Bereichen sind störende Punkte erkennbar
Aufnahme bei ISO-Wert 3200: besonders in dunklen Bereichen sind störende Punkte erkennbar

Er regelt die Lichtempfindlichkeit des Kamerasensors (an Camcordern vergleichbar mit dem Gain-Wert). Draußen kommt man in der Regel mit einem geringen ISO-Wert von 100 aus. In RĂ€umen kommt man schnell in den 1000er Bereich.

Je nach Kamera-QualitĂ€t steigt dann frĂŒher oder spĂ€ter das sogenannte Bildrauschen. Es grieselt also, Details und RĂ€nder verschwimmen.

Wie wirkt sich die Belichtungszeit aus?

Die Belichtungszeit regelt, wie lange Licht auf den Bildsensor fĂ€llt. Beim Fotografieren kann man damit bewusst Effekte erzielen (z.B. Wasser „einfrieren“). Das Blog Kwerfeldein erklĂ€rt das hier genauer.

Beim Drehen (im 25p Modus) sollte man die Belichtungszeit möglichst auf den Wert 50, also 1/50 Sekunde, stellen, damit die Bilder flĂŒssig wirken. Wer eine kleinere Zahl wĂ€hlt, lĂ€uft Gefahr, dass die Bilder verwischt und unscharf wirken. Bei einer deutlich grĂ¶ĂŸeren Zahl sehen viele Aufnahmen ruckelig aus. Warum? Das erklĂ€rt Fotograf Gunther Wegner hier.

Bei Sonnenschein im Freien werdet ihr feststellen, dass ihr bei einer Belichtungszeit von 1/50 und dem niedrigsten ISO-Wert die Blende  schließen mĂŒsst (z.B. f/13), um kein ĂŒberstrahltes Bild zu bekommen. Wer dennoch mit einer offenen Blende drehen will, braucht einen sogenannten ND-Filter, den man auf das Objektiv aufschraubt und der quasi die Aufnahme verdunkelt. Ich habe gute Erfahrungen gemacht mit einem sogenannten Vario-ND-Filter. Er besteht aus zwei Scheiben, von denen eine fest mit der Kamera verschraubt ist und die andere drehbar ist. So kann man den Verdunklungseffekt variieren, je nachdem wie hell es in der Umgebung ist.

Wie stellt man manuelle die Blende ein? (dazu mehr unter Punkt 2)

Programmrad Canon 60DBei den ersten Foto-Versuchen helfen Programme wie Av (nur die Blende wird manuell eingestellt, den Rest ĂŒbernimmt die Kameraautomatik). Mit ein bisschen Übung kann man auch im komplett manuellen M-Modus fotografieren. Erst wenn das klappt, macht es Sinn, den Video-Modus auszuprobieren.

 

2. Blende bewusst wÀhlen

Wie wirken sich Brennweite und Blendenöffnung auf den Spiegelreflex-Look (also die SchÀrfentiefe) aus?

  • Offene Blende (niedriger Wert) → geringe SchĂ€rfentiefe

Auswirkung der Blende auf die SchÀrfentiefe

Dieses Bild wurde mit dem selben Objektiv (85mm) bei unterschiedlichen Blendenöffnungen aufgenommen. Bei einem Blendenwert von 1.8 ist nur der anfokussierte grĂŒne Stift scharf. Je weiter man die Blende schließt (hoher Wert), desto mehr Stifte liegen im SchĂ€rfenbereich.

  • Große Brennweite → geringe SchĂ€rfentiefe

Das linke Bild unten wurde mit großer Brennweite, also einem Teleobjektiv (85mm f/1.8) aufgenommen. Das mittlere Bild wurde mit geringerer Brennweite (28mm f/1.8) fotografiert. Das rechte Bild ist ein Ausschnitt des mittleren Bildes.

Auswirkung der Brennweite auf die SchÀrfentiefe

Auch wenn hier der Unterschied nicht ganz so deutlich ist, wird klar: Eine lange Brennweite (links) lÀsst den Hintergrund unschÀrfer erscheinen als eine kleine Brennweite (mitte, rechts).

Auch die Kamera-Wahl hat einen Einfluss auf die SchÀrfentiefe.

  • Großer Sensor → geringe SchĂ€rfentiefe

Vollformat-Kameras (z.B. Canon 5D Mark III) haben hier also einen Vorteil gegenĂŒber einer DSLR mit sogenanntem Crop-Sensor (z.B. Canon 70D).

Viele AnfĂ€nger sind anfangs dermaßen begeistert von der geringen SchĂ€rfentiefe ihrer neuen Kamera, dass sie diesen Effekt ĂŒberstrapazieren und alle Bilder mit möglichst offener Blende drehen.

Doch nicht immer macht das Sinn: Wer ein Bild vom Reichstag drehen will, aber nur das Absperrgitter im Vordergrund scharf stellt, wird sich spĂ€testens am großen Computer-Bildschirm Ă€rgern. Totalen also lieber mit geschlossenerer Blende drehen (außer der Effekt wird bewusst gewĂŒnscht).

Auch bei Interviews macht man sich mitunter selbst das Leben schwer, wenn sich der Interviewpartner viel bewegt und damit bei extrem kleiner Blendenzahl (z.B. 1.2, also geringer SchÀrfentiefe) das Fokussieren erschwert.

 

3. Das Objektiv zÀhlt

Viele Neulinge stellen vor allem die Frage: Welche Kamera soll ich mir kaufen? Aber mindestens genauso wichtig fĂŒr ein hochwertiges Ergebnis sind gute, lichtstarke Objektive. NatĂŒrlich liefern Vollformatkameras die professionellsten Bilder. Doch wer ein begrenztes Budget hat, sollte nicht all sein Geld fĂŒr eine teure Kamera ausgeben und dann mit dem gĂŒnstigsten Objektiv drehen.

Objektive standard und festbrennweiteFĂŒr den Einstieg kann es Sinn machen, mit einem guten Allround-Zoom (hier Canon 24-105mm f/4) zu drehen und eine lichtstĂ€rkere Festbrennweite (z.B. Canon 50mm f/1.4) fĂŒr Interviews und Detailaufnahmen zu verwenden.

Gerade beim Drehen haben viele sogenannte Kit-Objektive, die gĂŒnstig im Paket mit der Kamera verkauft werden, einen entscheidenden Nachteil: keine durchgehende Blende. Das bedeutet: Wer beispielsweise mit dem Zoom Canon EF-S 18-135mm f/3.5-5.6 eine Halbtotale (also ein sehr offenes Bild) bei Blende 3.5 dreht und dann fĂŒr eine Detailaufnahme heranzoomt, kĂ€mpft plötzlich mit einem dunkleren Bild. Denn die Blende hat sich automatisch geschlossen auf einen Wert von 5.6.

Der Zusatz f/3.5-5.6 im Namen gibt also die maximale Blendenöffnung an, die in diesem Fall, je nach Brennweite zwischen 3.5 und 5.6 variiert. Das kann beim Drehen oft nerven, weil man dann fĂŒr Detailbilder den ISO-Wert verĂ€ndern muss.

 

4. Stativ verwenden

Eigentlich verfĂŒhren die vergleichsweise kleinen Spiegelreflexkameras dazu, mal schnell aus der Hand zu filmen. Dennoch ist das keine gute Idee. Nicht immer hat man in seiner DSLR einen guten Bildstabilisator. Bei Canon ist er beispielsweise nicht im Kamera-Body sondern nur in manchen Objektiven eingebaut (erkennbar am KĂŒrzel IS). Ohne den Stabilisator wirken die Bilder wackelig und unruhig. Das Zittern der HĂ€nde bemerkt man oft erst richtig beim Schneiden des Materials.

Außerdem lohnt es sich, Bilder bewusst (Ă€hnlich wie ein Foto) zu komponieren. Durch den kontrastreichen, dreidimensionalen DSLR-Look sind Standbilder oft interessanter als Schwenks, wie man sie aus dem klassischen Fernsehen kennt.

 

5. Immer mit der Ruhe

FunkstreckePlant mehr Zeit ein als bei einem „gewöhnlichen“ Dreh! Objektive wechseln, ND-Filter abschrauben, Ton separat aufnehmen: Vieles ist ein bisschen aufwendiger als mit einem Camcorder. Und wer noch gar keine Videoerfahrung hat, sollte ohnehin vor dem ersten Interview sein Equipment gut kennenlernen.

Über die technischen Herausforderungen und die besten Einsatzmöglichkeiten habe ich in der Vergangenheit schon gebloggt. Und hier gibt’s mehr zu meinem Equipment: https://webvideoblog.de/filmen-mit-spiegelreflexkamera-dslr-zubehoer-fuer-vj-videojournalisten/

18 thoughts on “DSLR-Filmen: 5 Tipps fĂŒr Video-Einsteiger

  1. Hallo,
    Vorschlag: Bei derartigen Texten sollte man immer die gleichen AusdrĂŒcke verwenden:
    große Brennweite und nicht wechseln zu lange Brennweite
    kleine Brennweite bleibt ebenfalls kleine Brennweite.
    Und-> Matheaufgabe zuerst, dann erst K absenden

    MfG
    Rehbach

  2. Hallo liebe Sandra!

    Habe gerade diesen Blog gefunden und bin begeistert. Ich habe vor ein paar Monaten begonnen als VJ in meiner Freizeit fĂŒr ein Internetforum kurze BeitrĂ€ge zu drehen. Ich habe zwar frĂŒher mal als Redakteur bei einem kleinen TV-Sender gearbeitet und auch ein paar Semester Publizistik mit Schwerpunkt – Film Fernsehen und Radio studiert, bin aber letztendlich nicht in diesem Beruf gelandet! Warum weiß der Kuckuck und der weiß eigentlich gar nix :-). Momentan verschlinge ich alles was mit Video und Filmen zu tun hat. Mein Equipment umfasst jetzt die Nikon D7000, ein Stativ, ein Kameralicht LED, ein Richtmikrofon, ein Ansteckmikro (allerdings nur mit Kabel) und einen Viewfinder von Kamerar. Im September kommt dann noch ein Shoulder Rig mit FollowFocus dazu (Burtzeltag). Durch deinen Blog habe ich wieder viel dazugelernt. Vor allem das mit der Belichtungszeit von 50 war sehr hilfreich. Ich filme jetzt auch mit einer grĂ¶ĂŸeren Blendzahl. Meine BeitrĂ€ge sind in YouTube unter „linz mobil zeigt auf…“ oder Joe Blattner (da gibt’s zwei – mich und mich) zu finden oder auf der angegeben Homepage. Über Kritik und dgl. wĂ€re ich dankbar. Vor allem was das technische anbelangt. Viele liebe GrĂŒsse aus Österreich resp. Linz an der Donau!

    JOE

    1. Vielen Dank, freut mich, wenn ich dir ein bisschen weiterhelfen kann!
      Ich bin gerade nicht in ComputernÀhe, melde mich, wenn ich die Gelegenheit hatte, mal auf deinen YT Kanal zu schauen!
      Viele GrĂŒĂŸe, Sandra

  3. Hallo Sandra,

    ich höre, bzw sehe immer mehr, dass viele Leute auf Youtube ihre Spiegelreflex zum Aufnehmen ihrer Videos nehmen – finde ich sehr interessant und war mir nie so bewusst. Ich selber habe seit knapp 3 Monaten eine Canon Eos 1000D und so langsam steige ich auch endlich hinter die ganzen Begrifflichkeiten.

    Dein ausfĂŒhrlicher Artikel hat mir wirklich sehr weitergeholfen – Vielen Dank dafĂŒr!

    Viele GrĂŒĂŸe

    Jens

  4. Hallo Sandra,

    vielen Dank fĂŒr diesen Beitrag, ich finde ihn sehr hilfreich und informativ.
    Die Video- und BildqualitÀt haben wir so schon um einiges verbessern könnte, Sorgenkind ist und bleibt bei uns allerdings immer noch der Ton.
    Gibt es Tricks ein gutes Video nicht mit einer schlechten TonqualitÀt zu ruinieren?
    Vielen Dank & beste GrĂŒĂŸe

  5. Hallo,

    erst einmal ganz lieben Dank fĂŒr diesen Blog, mein Sohn 9 Jahre wĂŒnscht sich eine Videokamera zum kommenden Weihnachtsfest nach reichhaltigem Studium unterschiedlichster BeitrĂ€ge bin ich zwar schlauer geworden was alles möglich ist aber was meine Entscheidung angeht bin ich nun eher verwirrt als alles andere.

    Da ich persönlich lieber Fotografiere als Filme wĂŒrde ich Ihm lieber eine DSLR schenken vielleicht hast Du ja einen Tipp fĂŒr mich.

    momentan denke ich ĂŒber die Sony A58 nach.

    Ich bin wirklich fĂŒr jeden Tipp dankbar.

    1. Hallo Peter,
      in Sachen Consumer Cams bin ich wirklich keine Expertin. Ich verstehe deinen Wunsch nach einem GerĂ€t das „alles“ kann. Allerdings kann ich dir sagen, dass es sehr viel schwieriger ist, mit DSLR Kameras zu filmen, weil die SchĂ€rfentiefe sehr viel geringer als bei einem Camcorder ist. D.d. nur ein bestimmter Punkt im Bild ist scharf, der Hintergrund verschwimmt sehr schön, das gibt den sog. Filmlook.
      Damit muss aber im Gegensatz zum Camcorder der Fokus viel genauer bestimmt werden. Wenn man das nicht tut, sind viele Aufnahmen unscharf. Selbst wenn die Kamera einen guten Autofokus hat kann das frustrierend sein. Probiere sie doch mal im Laden aus und teste, ob du ohne viel Vorkenntnisse damit drehen kannst?

      1. Geringe SchĂ€rfentiefe ist ganz sicher nicht der sogenannte „Filmlook“. Die Kombinationen professioneller Vorgehensweisen ist der Filmlook. Mit dem richtigen Licht kann die richtige Person mit jedem Smartphone einen Blockbuster drehen…trotz Minisensor

  6. Sehr informativer und leicht verstÀndlicher Ratgeber-Artikel. Besonders schön finde ich, dass Du auch den Faktor Zeit angesprochen hast. Einfach aus der Hand drauf los filmen wie mit einem Camcorder geht in der Tat wirklich nicht. Das ist leider den meisten nicht bewusst.

    Allgemein muss ich auch mal anmerken, dass der Blog mit sehr guten Artikel befĂŒllt ist. Bitte immer weiter so!

  7. Toller Artikel,
    ich besitze erst seit zwei Monaten eine Canon 700D und damit meine erste DSLR!! Die Tipps die du hier gibst, sind sogar fĂŒr mich als blutiger AnfĂ€nger leicht verstĂ€ndlich erklĂ€rt, find ich klasse!!

  8. Vielen Dank fĂŒr die super Tipps. Ich bin praktisch Wieder-AnfĂ€nger. Auf Grund von Hausbau und Familie musste das Hobby erstmal zurĂŒck stehen. Damals gab es noch den guten alten VHS Videorecorder. Es hat sich also ganz viel geĂ€ndert

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