360°-Video vom Flughafen BER – VR im Newsbetrieb

Können Videojournalisten auch im hektischen Rhythmus des Newsbetriebs 360°-Videos drehen? Der Flughafen BER hat einen Rundgang für Journalisten angeboten, viel Zeit war dabei nicht. „Welt“-VJ Martin Heller hat versucht, trotz Zeitdruck und ohne vorher mögliche Planung einen 360°-Film zu drehen. Zunächst das Ergebnis.

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Die Zeit ist knapp, bei jeder kurzen Station auf dem Flughafengelände. Zu wenig, um in Ruhe Bilder zu drehen. Das sagt mir vorher schon ein TV-Kollege, der mit EB-Kamerateam zu dem Presserundgang des Flughafen BER gekommen ist und einen ähnlichen Termin schon mal begleitet hat. Ich mache mir wenig Hoffnung.

Mein Plan: Mit 360°-Kameras möglichst so drehen wie immer. Nicht im Bild zu sehen sein, mich selbst also zu verstecken, keine Stitch-Lines durch Personen zu nah der Kamera. Viele unterschiedliche Orte. Und immer: Auf dem dünnen Lichtstativ möglichst 30-40 Sekunden sauber aufnehmen.

Das Problem neben dem Zeitdruck: die eigenen Kollegen ;-). Kameraleute, Fotografen, Redakteure, die alles ebenso begutachten. Dazu Aufpasser der Flughafengesellschaft, die unsere Gruppe beisammen halten sollen. Alles verständlich, normales News-Geschäft im Journalismus. Die Zeit ist knapp, es gibt viel zu sehen.

Ich versuche, mein Equipment vorher zu optimieren. Drei Kamera-Mounts nehme ich mit: ein Freedom360 mit sechs Gopro-Kameras, eine Back-to-back-Kamera auf Gopro-Basis mit Entapano Entaniya-Linsen (je 250°) sowie eine back-to-back Kodak SP 360. Am Ende werde ich also mit zehn einzelnen Kameras gearbeitet haben, entsprechend viele einzelne Dateien enstehen.

Zwei unterschiedliche Kameras für unterschiedliche Situationen wären ohnehin normal gewesen, hätte ich immer im Einsatz; hier habe ich mich jedoch ganz bewusst für drei entschieden. Grund: Die Akkus. Auf dem Presserundgang wird so wenig Zeit sein, dass ich nicht mal Akkus wechseln werden kann – davon bin ich ausgegangen und so war es auch.

Akkus wechseln ist bei vielen 360°-Kameras gar nicht so einfach, das verzögert Produktionen immer ein paar Minuten, wenn man erst schrauben muss. Zudem ist eine Baustelle einfach kein besonders guter Ort für filigrane Technik mit kleinen Schrauben, wie bei der Freedom360.

Diese Maßnahme hat sich also ausgezahlt, am Ende des Drehtages waren zwei Kameras leer und eine annähernd leer. Schon für das Um-Montieren, das Wechseln der Kameras auf dem Lichtstativ blieb kaum Zeit. Die wichtigsten Bilder (Außen z.B.) konnte ich mit der Freedom360 aufnehmen und das Interview mit dem Flughafenchef mit dem Entaniya-Set. Insofern hat auch das ziemlich gut geklappt. An manchen Stellen hätte ich jedoch normalerweise das Modell gewechselt.

Wie sehr die Bilder unter der Hektik gelitten haben, dem Zeitdruck, unter dem man kaum planen oder überlegen kann? Bitte beurteilt das selbst im 360°-Video. Ich bin einerseits ganz zufrieden, dass vieles überhaupt geklappt hat, sehe aber auch Probleme, die mit mehr Zeit nicht entstanden wären. Klar ist, dass der Film ganz anders aussähe, wenn ich den Flughafen einen Tag „für mich“ und meine 360°-Aufnahmen gehabt hätte.

Das Szenario jedenfalls ist eines, mit dem sich Journalisten beschäftigen sollten, je mehr 360°-Video zum Standard-Medienmix in Redaktionen gehört. Nicht immer sind Drehs eben nach Storyboard und mit Ruhe und Absperrungen möglich. Dieser Termin hat gezeigt: nicht nur in der Postproduktion muss ein 360°-VJ zuweilen mit Zeitdruck umgehen lernen.

Auf Eure Meinung, Kommentare zum Video bin ich gespannt, hier oder bei Twitter, Facebook (Die Welt Video) oder unter dem Youtube-Video auf dem Kanal von N24.

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