360°-Video vom Flughafen BER – VR im Newsbetrieb

Können Videojournalisten auch im hektischen Rhythmus des Newsbetriebs 360°-Videos drehen? Der Flughafen BER hat einen Rundgang fĂŒr Journalisten angeboten, viel Zeit war dabei nicht. „Welt“-VJ Martin Heller hat versucht, trotz Zeitdruck und ohne vorher mögliche Planung einen 360°-Film zu drehen. ZunĂ€chst das Ergebnis.

Am Smartphone auf die Überschrift klicken, um das Video in der Youtube-App zu öffnen! (ggf. Twitter-App zuerst schließen)

Die Zeit ist knapp, bei jeder kurzen Station auf dem FlughafengelÀnde. Zu wenig, um in Ruhe Bilder zu drehen. Das sagt mir vorher schon ein TV-Kollege, der mit EB-Kamerateam zu dem Presserundgang des Flughafen BER gekommen ist und einen Àhnlichen Termin schon mal begleitet hat. Ich mache mir wenig Hoffnung.

Mein Plan: Mit 360°-Kameras möglichst so drehen wie immer. Nicht im Bild zu sehen sein, mich selbst also zu verstecken, keine Stitch-Lines durch Personen zu nah der Kamera. Viele unterschiedliche Orte. Und immer: Auf dem dĂŒnnen Lichtstativ möglichst 30-40 Sekunden sauber aufnehmen.

Das Problem neben dem Zeitdruck: die eigenen Kollegen ;-). Kameraleute, Fotografen, Redakteure, die alles ebenso begutachten. Dazu Aufpasser der Flughafengesellschaft, die unsere Gruppe beisammen halten sollen. Alles verstÀndlich, normales News-GeschÀft im Journalismus. Die Zeit ist knapp, es gibt viel zu sehen.

Ich versuche, mein Equipment vorher zu optimieren. Drei Kamera-Mounts nehme ich mit: ein Freedom360 mit sechs Gopro-Kameras, eine Back-to-back-Kamera auf Gopro-Basis mit Entapano Entaniya-Linsen (je 250°) sowie eine back-to-back Kodak SP 360. Am Ende werde ich also mit zehn einzelnen Kameras gearbeitet haben, entsprechend viele einzelne Dateien enstehen.

Zwei unterschiedliche Kameras fĂŒr unterschiedliche Situationen wĂ€ren ohnehin normal gewesen, hĂ€tte ich immer im Einsatz; hier habe ich mich jedoch ganz bewusst fĂŒr drei entschieden. Grund: Die Akkus. Auf dem Presserundgang wird so wenig Zeit sein, dass ich nicht mal Akkus wechseln werden kann – davon bin ich ausgegangen und so war es auch.

Akkus wechseln ist bei vielen 360°-Kameras gar nicht so einfach, das verzögert Produktionen immer ein paar Minuten, wenn man erst schrauben muss. Zudem ist eine Baustelle einfach kein besonders guter Ort fĂŒr filigrane Technik mit kleinen Schrauben, wie bei der Freedom360.

Diese Maßnahme hat sich also ausgezahlt, am Ende des Drehtages waren zwei Kameras leer und eine annĂ€hernd leer. Schon fĂŒr das Um-Montieren, das Wechseln der Kameras auf dem Lichtstativ blieb kaum Zeit. Die wichtigsten Bilder (Außen z.B.) konnte ich mit der Freedom360 aufnehmen und das Interview mit dem Flughafenchef mit dem Entaniya-Set. Insofern hat auch das ziemlich gut geklappt. An manchen Stellen hĂ€tte ich jedoch normalerweise das Modell gewechselt.

Wie sehr die Bilder unter der Hektik gelitten haben, dem Zeitdruck, unter dem man kaum planen oder ĂŒberlegen kann? Bitte beurteilt das selbst im 360°-Video. Ich bin einerseits ganz zufrieden, dass vieles ĂŒberhaupt geklappt hat, sehe aber auch Probleme, die mit mehr Zeit nicht entstanden wĂ€ren. Klar ist, dass der Film ganz anders aussĂ€he, wenn ich den Flughafen einen Tag „fĂŒr mich“ und meine 360°-Aufnahmen gehabt hĂ€tte.

Das Szenario jedenfalls ist eines, mit dem sich Journalisten beschÀftigen sollten, je mehr 360°-Video zum Standard-Medienmix in Redaktionen gehört. Nicht immer sind Drehs eben nach Storyboard und mit Ruhe und Absperrungen möglich. Dieser Termin hat gezeigt: nicht nur in der Postproduktion muss ein 360°-VJ zuweilen mit Zeitdruck umgehen lernen.

Auf Eure Meinung, Kommentare zum Video bin ich gespannt, hier oder bei Twitter, Facebook (Die Welt Video) oder unter dem Youtube-Video auf dem Kanal von N24.

Auch interessant: 360°-Grafik bei WELT – Deniz YĂŒcel: Ein Leben auf 12,96 Quadratmetern. Die GefĂ€ngniszelle des Journalisten in der TĂŒrkei.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Bitte lösen Sie die Rechenaufgabe. Das schĂŒtzt Webvideoblog vor Spam. Danke! * Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.