Die grenzenlose Freiheit bietet uns das Netz. Wir können so viel und so lang produzieren, wie wir möchten. Gut dass mal jemand die Längen-Frage stellt: Stefanie Aßmann in ihrem Social-Media-Monitoring-Blog. Wie WIR es denn mit der Länge halten, fragt sie per Twitter. Eine Antwort, spontan gebloggt. Es geht um intelligentes Aufteilen.

Martin Heller bei Dreharbeiten für ein Webvideo (Foto: Sandra Sperber)

Egal wie lange man dreht: Strapazieren wir die Geduld der User nicht zu sehr. (Foto: Sandra Sperber)

Klar kommt es nicht auf die Länge an, sondern auf den Inhalt. Da stimme ich Stefanie Aßmann voll zu: “Ist der Inhalt spannend, dann bleibe ich am Ball.”, schreibt sie in ihrem Blog. Um mich dann aber ziemlich zu überraschen. Mit ihrer Geduld:  “Ich habe nur für mich festgestellt, dass ich bis zu einer Länge von etwa 15 Minuten, mir ein Webvideo in den meisten Fällen bis zum Ende anschaue.” Wow, denke ich, eine Verweildauer, von der Webvideo-Macher im Journalismus träumen.

Insofern möchte ich gar nicht widersprechen. Schaut man sich die Kurven in Klickstatistiken an, ob in Redaktionen oder bei YouTube, stellt man fest: Das Netz ist schnellebig, verlangt nach Infos, Unterhaltung, Gags, starken Bildern – aber bitte möglichst sofort und auf den Punkt. Trotz aufkommender Web-TV-Sender, webfähiger Fernsehgeräte und einer veränderten Mediennutzung: Lean-back-Genuss von Bewegtbild ist zumindest im journalistischen Bereich noch zu selten. Bei Filmen und Serien ist das sicher anders.

Lassen wir uns also nicht verführen von den Möglichkeiten im Netz, zu lange zu “senden”. Wir Kameraleute, Filmemacher, VJs wollen unser Material zeigen – die Dreharbeiten waren oft aufwändig, vielleicht teuer.

Doch zügeln wir uns. In der Regel können wir die Filme noch nicht mit Unterbrecher-Werbung finanzieren, Video-Ads zu Beginn und am Ende sind standard.

Lange “Sendungen” können bei Live-Events sinnvoll sein, Hangouts mit Zuschauerbeteiligung beispielsweise. Das Digitale Quartett macht Spaß, auch als lange Talkshow. Als Video on Demand am Folgetag könnte man aber über eine Zusammenfassung nachdenken, ein Best-of, zumindest als Alternative für Kurzangebundene.

Zudem, um in aller Kürze jetzt mal zum Punkt zu kommen, sollten wir uns bei aufwändigen Inhalten immer fragen: Können wir teilen? Mehrere Videos zu einzelnen Aspekten anstatt einem langen linear erzählten Film. Interaktiv präsentiert. Es geht schließlich darum die Möglichkeiten im Netz konsequent zu nutzen, es ist doch Platz genug in diesem digitalen Raum.

Es geht mir nicht um Video-Klickstrecken ähnlich Foto-Galerien, aber etwas in die Richtung zumindest sollten wir verstärkt denken. Zum einen natürlich bei der Ausstattung von Content Management Systemen, zum anderen bei der multimedialen Konzeption von Artikeln, schon bei der Planung von Recherche und Dreharbeiten. Dort, wo es eben sinnvoll erscheint.

Das tut der Klickstatistik gut, und vielleicht auch den Usern. Die können sich ganz zielgerichtet ihre Häppchen, ihre Aspekte heraussuchen. Das tun sie sowieso.

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