ÔÇ×Mein Ansatz: Geschichten aus YouTube rauskriegenÔÇť

Interview mit YouTuber und Journalist Henrik Neumann ├╝ber seine Erfahrungen als Reporter auf der Videoplattform.

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Henrik Neumann (Jahrgang: 1985) absolvierte von 2012 bis 2014 ein Volontariat bei der Axel Springer Akademie. Stationen bei WAZ und BILD, seit 2014 Videoredakteur bei ÔÇ×Die WeltÔÇť.

Interview: Jan Lindenau, Volont├Ąr an der Axel Springer Akademie

Henrik, du wurdest letztes Jahr zu einem der besten Journalisten unter 30 Jahre gew├Ąhlt, bist auf allen Social-Media-Kan├Ąlen vertreten und hattest deine eigene Serie auf ÔÇ×Welt OnlineÔÇť. Gl├╝ckwunsch, du bist eine Marke.

Danke. Krass, oder?

F├╝r N24 hast du jetzt mit deiner Kollegin Christiane Wittenbecher eine 45-Minuten-Dokumentation ├╝ber YouTube-Stars gedreht. Soll etwas von dem Fame auf dich abf├Ąrben?

Haha, ja, aber das sage ich im Trailer zur Dokumentation auch offensiv.

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Henrik Neumann und Christiane Wittenbecher

Weswegen baust du deinen YouTube-Kanal derzeit ebenfalls so offensiv aus?

F├╝r meine Videos ist YouTube derzeit ein Zweitverwertungskanal, daraus kann jedoch mehr werden. Momentan finden viele Medien YouTube so spannend, die ÔÇ×BildÔÇť macht es, der WDR macht es, wir machen es. Doch manchmal habe ich das Gef├╝hl, dass die richtige Idee noch nicht umgesetzt wird.

Was ist die richtige Idee?

Der richtige Ansatz ist meiner Meinung nach, Geschichten aus YouTube rauszukriegen; eine Community zu haben und mit denen zu reden. Das ist der einzige Unterschied zu dem, was ich auf der Seite von der ÔÇ×WeltÔÇť mache. Ich frage: Was habt ihr f├╝r Geschichten und welche davon soll ich machen? Nicht, weil wir zu wenig Ideen haben, sondern weil wir es einfach mal umdrehen wollen.

Gute Geschichten sind das eine, glaubw├╝rdiger Journalismus das andere. Steht YouTube dazu nicht im Widerspruch?

Nein. Es gibt auf Youtube viele Leute, die etwas Ähnliches machen wie wir Journalisten. Aber: Auf YouTube funktionieren andere Formate, eine journalistische Ausbildung behindert hier manchmal. Denn wir Journalisten wollen uns an unser Handwerkzeug halten. Wenn ich ein Video mache, dann kann ich nicht nur meine Meinung raushauen. Doch genau das ist es, was auf Youtube sehr gut funktioniert. Eine starke Meinung. Doch als Journalist machst du dich schnell unglaubwürdig, wenn du immer mit dem Dampfhammer auf den Kopf haust.

Journalismus muss also beides vereinen, Glaubw├╝rdigkeit und Zuschauerzahlen.

Schon, denn die Kids erreichen wir nicht mehr, weil sie sich ÔÇô vermeintlich ÔÇô nicht mehr f├╝r klassische Nachrichten interessieren. Doch wenn der YouTuber LeFloid ein Video macht und da die Nachrichten kommentiert, dann ist er f├╝r einen Gro├čteil der sehr jungen Generation damit glaubw├╝rdiger als irgendein Nachrichtensprecher bei der ARD.

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Henrik Neumann mit YouTuber LeFloid

Ist der YouTuber LeFloid allein dadurch ein  Journalist?

Nein, das nicht, aber er macht zumindest journalistische Arbeit, er setzt Ereignisse in einen Kontext. Gleichzeitig geht er auch sehr offensiv damit um, dass er kommentiert.

Hei├čt: Nicht alles, was er sagt, stimmt, ist faktisch belegt. Aber, er schafft, dass sich Leute dar├╝ber Gedanken machen, ├╝ber das, was er da sagt. Auf YouTube gibt es viele Blogger, die keine ausgebildeten Journalisten sind, aber Informationen an sehr viele Menschen bringen. Auch solche, ├╝ber die wir Journalisten gar nicht nachdenken. Wenn der YouTuber Simon ÔÇ×UngeÔÇť Wiefels mit seinen Freunden auf Longboards von Kiel zum Schloss Neuschwanstein f├Ąhrt, sind da Reportage-Elemente enthalten.

Nat├╝rlich ist es aus unserer Sicht eine Frage der Glaubw├╝rdigkeit, des Faktenchecks, was die Youtuber von uns Journalisten unterscheidet. Nat├╝rlich ist die Geschichte nicht gut durchrecherchiert. Aber er erreicht damit viel viel mehr Leute als zum Beispiel das Dossier in der ÔÇ×ZeitÔÇť.

Henrik auf Twitter:

Die Playlist der 10-teiligen Webvideoserie von Henrik Neumann und Christiane Wittenbecher:

3 thoughts on “ÔÇ×Mein Ansatz: Geschichten aus YouTube rauskriegenÔÇť

  1. Dieses Interview ist wirklich interessant. Da man einfach sieht, dass sich der Jorunalismus wandelt bzw. wandeln muss um auch auf Videoportalen wie Yotube & Co. erfolgreich zu sein.

    Aber ob der Weg wie ihn LeFloid und andere beschreiten wirklich der Richtige ist, wage ich doch sehr zu bezweifeln.

  2. Guter Artikel! Recherche ist ein muss. Da muss ein Reifungsprozess stattfinden. Gerade Youtuber gehen oft ├╝ber die Masse, anstatt weniger und daf├╝r qualitativ hochwertigere Formate zu erschaffen.

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