Mevo Camera Test: Ein Facebook Live Regie-Roboter?

Eine Kamera, die von ganz alleine und live umschneidet, Regie führt – und dazu noch in 16:9 zu Facebook livestreamen kann. Die Mevo Camera by Livestream verspricht viel – hält sie es auch? Sandra Sperber und Martin Heller im Webvideoblog-Tech-Test.

tlrd: Fazit siehe unten

Der erfrorene Oleander hatte noch mal einen großen Auftritt. Auf dem improvisierten Dachterrassen-Teststudio – natürlich absichtlich ins Bild gestellt, um die Kamera kalt zu erwischen. Reingefallen: Mevo schneidet ein Close-Up der hässlichen vertrockneten Äste in den Livestream. Durchgefallen? Keineswegs. Wir setzen uns einen Tag lang detailliert mit der Kamera auseinander, um die Chancen abzuwägen.

Mevo Kamera als Lösung für Facebook Live im Test.

Worum geht es bei der Mevo Kamera?

Ein mit 150° sehr weitwinkliges Bild in 4K Auflösung wird aufgezeichnet bzw. wahlweise zusätzlich gleich live gestreamt, auf Facebook oder die Plattform Livestream des Herstellers. In diesem Bild sucht der kleine „Regie-Roboter“ nach Ausschnitten, um an diese „heranzuspringen“, die Nahaufnahmen sollen durch die hohe Auflösung der Aufnahmen immer noch eine gute Bildqualität haben, 720p.

Zusätzlich zu der Regieautomatik kann man aber auch per Hand eingreifen und auf bestimmte Bildinhalte tippen, so das Close-Up auszuwählen. Sogar Schwenks bekommt man hin, in dem man mit einem Finger den Bildausschnitt an eine andere Position zieht.

Ein iOS-Gerät ist derzeit Voraussetzung. Über eine kostenfreie App wird die Kamera gesteuert, hier kann man auch den Facebook-Kanal beispielsweise auswählen. Und, wenn die Kamera über WiFi mit dem Smartphone verknüpft ist, streamt sie über das Handynetz zu Facebook. Unsere erste bitter Erfahrung: Wenn der Handyakku in der Kälte schlapp macht, ist der Livestream weg, wie im ersten Test mit dem erfrorenen Oleander. Zum Glück hat den niemand gesehen.
 

 
Es folgt ein weiterer Stream. Ob die Kamera wohl das neue 3rd-Person-360-Mount von IntoVR erkennt?
 

 
Nein. Gesichter werden erkannt. Schwarze Spezialausrüstung eher weniger. Auch das irgendwie erwartbar.
 
Dann runter von der Dachterrasse – zum realistischen Test eines Talks mit zwei (bzw. drei…) Personen vor der Kamera. In einem Gebäude des Bundestags wollen wir live streamen, draußen ist es dunkel, auch im Paul-Löbe-Haus ist wesentlich weniger Licht als auf der Dachterrasse bei Sonnenschein.

Zunächst zum Setup – hier seht Ihr die Mevo Camera vor unserem Test.


 
Der Talk im Facebook Livestream mit einem Überraschungsgast als Test der Mevo Camera bei Facebook.

 

 
Durch das Video kann sich jeder selbst  eine Meinung bilden, gut genug für Livestreams von Journalisten und Bloggern? Wir sind gespannt auf Eure Kommentare. Und was denken wir nach den ersten Experimenten mit der Mevo Camera.

Sandra Sperber:

Kann die Mevo-Kamera allein eine ganze Studio-Crew (Kameraleute & Regie) ersetzen? Leider nein, dazu funktioniert die vollautomatische Bildmischung meiner Meinung nach noch nicht gut genug. Sie ist aber eine interessante Option für alle, die mit kleinem Budget ihren Livestream durch Umschnitte und Close-Ups aufwerten wollen.

Der Schlüssel zum erfolgreichen Mevo-Livestream könnte ein Regisseur sein. Bei unserem Test hat sich gezeigt, dass die Kamera leider nicht von selbst versteht, wer gerade redet und vor allem wo etwas Spannendes passiert.

Wer nicht riskieren will, dass die Kamera selbstständig zu einer Detailaufnahme des leeren Hintergrunds umschneidet oder die Person zeigt, die gerade nicht redet, der braucht einen Regisseur, der die Kontrolle übernimmt. Einmal aufs Handy oder Tablet tippen, und die Kamera wechselt den Bildausschnitt. So macht das Prinzip „eine Kamera, viele Bildausschnitte“ Sinn.

Moderieren oder als Reporter im Bild live streamen und gleichzeitig Regieführen erfordert Multitasking und dürfte schwierig sein. Aber im Zweimannteam (Reporter + Kameramann/Regisseur) bietet die Mevo echten Mehrwert.

Sieht das dann wie im TV-Studio aus? Nein, nicht ganz. Ich persönlich finde das Objektiv der Kamera zu weitwinklig. Die Totale erinnert an eine Fisheye-Aufnahme.

Außerdem verändert sich die Perspektive ja nicht. D.h. alle Nahaufnahmen werden aus derselben Perspektive aufgenommen. Das wird auf die Dauer eintönig. Da kann die Mevo natürlich nicht mit einem Studio mit mehreren Kameraperspektiven mithalten.

Aber es wäre auch absurd, zu versuchen, mit einer 399-Dollar-Kamera Fernsehen zu machen. Stattdessen könnte ich mir gut vorstellen, sie z.B. für ein einfaches Q&A oder einen Produkt-Test in einem festen Setting zu nutzen. Oder draußen als Livestream-Tool für Reporter im Zweierteam. Da schlägt sie das Smartphone dank des guten digitalen Zooms.

Martin Heller:

Erstmal muss man die Idee schon feiern. Video muss responsiv werden – das wünsche ich mir seit Jahren auf jeder Medienkonferenz. Zwar war und ist meine Vorstellung, dass man automatisch ein Hochkantbild für Smartphones, ein Quadrat für Facebook/Desktop und 16:9 für Youtube und TV aus einem 4K-Bild schneiden kann.

Die Mevo Camera geht einen anderen Weg, aber der erlaubt es VJs ganz allein einen vielleicht spannenderen Stream zu machen als nur mit dem Handy. Nicht immer. Manchmal ist das Smartphone überlegen, denke ich, wenn es eng ist, man sich besonders beeilen oder sehr viel bewegen muss.

Wenn ich jedoch allein, im Interview zu zweit oder zu dritt bin, sollte ich mit der Mevo Camera ganz gut klar kommen. Ein bisschen mitdenken ist Pflicht. Wie reagiert der Kamera-Automatismus, wenn ich was wann mache. Damit lernt man umzugehen. Und im Zweifel greift man eben per Hand in die Steuerung ein.

Ja, ich behaupte, dass man alleine damit streamen kann, das Smartphone unauffällig in der Hand. Um die User-Kommentare zu beobachten (auf der App-Oberfläche möglich) muss ich ja ohnehin ab und zu aufs Handy schauen.

Wir sind uns ja einig: Ein Facebook Livestream muss nicht wie Fernsehen wirken. Klar, unprofessionell darf er von Journalisten und Bloggern auch nicht gemacht sein, da hat Sandra recht. Aber die Frage, wie schnell, wie einfach, wie effizient man heute Video machen kann,  gehört für mich in Zeiten schrumpfender Budgets einfach dazu.

Die Mevo Camera hat natürlich noch Schwächen, das Weitwinkel ist extrem, die App sagt zu Beginn nicht auf die Sekunde genau, ab wann der Stream nun wirklich live ist. Und bei schwachem Licht wie bei unserem Test im Bundestag fällt die Bildqualität natürlich deutlich ab.

Aber die Mevo ist schon sehr beachtlich. Hightech – ganz einfach zu bedienen, alles gepackt in eine sehr kleine ansehnliche und transportable Kamera. Das Prinzip hat zumindest Potential.

Eure Meinung? Kommentiert, twittert, postet sie. Wir freuen uns drauf.

One thought on “Mevo Camera Test: Ein Facebook Live Regie-Roboter?

  1. Danke euch beiden! Das ist der beste Review der zur Mevo Camera bis jetzt (auch bis heute) veröffntlicht wurde! Ich hab sie mir auch gekauft. Gibt nichts besseres auf dem Markt!

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