Interaktives Drohnenvideo vom Tempelhofer Feld


Gleich zwei Premieren bei der „Welt„: Zum ersten Mal haben wir für ein Video eine Drohne eingesetzt – und zum anderen präsentieren wir das erste interaktive Video auf Welt.de. Ein Making-Of-Beitrag von Martin Heller und Drohnen-VJ Phil Thoma.

Phil Thoma Video Drohnenjournalist für DIE WELT

Phil Thoma mit der DJI Phantom 2 bei den Dreharbeiten auf dem Tempelhofer Feld

 

 

Luftbilder mit Drohnen – das ist schon seit Monaten Thema in der Video-Redaktion der „Welt“, bei Outdoor-Einsätzen liefern kleine Quadrokopter mit ihren Luftaufnahmen einen tollen Mehrwert. Und die fallenden Preise machen einen Einsatz auch in unserem Bereich möglich. Was kostet eine Haftpflichtversicherung für einen Videoredakteur, was eine Aufstiegs-Genehmigung, und welches Gerät sollen wir anschaffen?

WELT-Journalist Martin Heller beim Drohnen-Video auf dem Tempelhofer Feld

Martin Heller beim Drohnen-Dreh auf dem Tempelhofer Feld

Um zum einen erste Erfahrungen mit Bildern eines kleinen Quadrokopters zu sammeln, zum anderen gleich professionell zu beginnen, haben wir bei dem Projekt auf dem Tempelhofer Feld mit dem äußerst erfahrenen freien Drohnenjournalisten Phil Thoma zusammengearbeitet.

Zum Einsatz kam dabei ein DJI Phantom 2. Dieser Quadkopter gehört zu den „Micro Air Vehicles“, das sind miniaturisierte, unbemannte Flugobjekte. Der Kopter stammt von der chinesischen Firma DJI, die vor wenigen Jahren den zivilen Drohnen-Markt mit ihren qualitativ hochwertigen Fertigprodukten eroberte.

Unter dem Kopter arbeitet eine dreiachsige Kamerastabilisierung („Gimbal“), die ähnlich funktioniert wie ein Steadycam-Gestell – sie gleicht ruckartige Bewegungen aus und sorgt für sanfte Schwenks.

Eine Funkverbindung sendet das aktuelle Kamerabild auf eine tragbare Bodenstation, die mit einem TFT-Monitor für den Kopterpiloten und zusätzlich mit einer Videobrille für einen Redakteur ausgestattet ist.

Monitor für Videodrohne DJI Phantom

Mit diesem Monitor kontrolliert Phil die Luftbilder

An Bord des Phantoms liefert eine „GoPro3“ Action-Kamera gute Bilder in HD-Qualität. Die GoPro3 ist sehr leicht und klein und überlebt auch die eine oder andere harte Landung ohne Blessuren, denn für den harten Einsatz wurde diese Kamera entworfen.

Die Reichweite des Videosenders beträgt etwa einen Kilometer. So eine Strecke benötigt man eigentlich nie, da der kleine Kopter dann auch nicht mehr mit bloßen Augen am Himmel zu erkennen ist.

Bildschirmfoto 2014-06-01 um 23.06.38In aufwändigen TV- und Kinoproduktionen werden meist größere Multikopter eingesetzt, die oft bis zu acht Rotoren haben und mehrere Kilogramm schwere Kameras tragen können.

Phil hat jahrelang selbst Quadkopter zusammengebaut, die über mehr Leistung und eine hohe Tragfähigkeit verfügten – allerdings war vor dem Dreh oft Basteln angesagt. Der Vorteil des vergleichsweise kleinen Phantom 2 besteht also darin, dass er sehr schnell aufgebaut ist, sich im handlichen Koffer überall mitnehmen lässt und äußerst zuverlässig arbeitet.

Wie immer beim Drehen mit Drohnen – die Akkulaufzeit limitiert die Dreharbeiten. Wir hatten drei Akkus, die jeweils zwischen 18 und 25 Minuten halten. Zudem haben häufige Windböen das Drehen erschwert und somit die Flugzeit verlängert. Leuchten alle vier „Arme“ des Quadrokopters rot, dann ist der Akku fast leer – es gilt, sicher zu landen.

DJI Phantom 2 mit Gopro und leerem Akku

DJI Phantom 2 mit Gopro und leerem Akku

Interaktivität: Videos taggen mit „The Mad Video

Das Drohnenexperiment hat uns bei diesem Projekt nicht ausgereicht. Das Thema erschien uns geeignet, ein Video zum ersten Mal bei der „Welt“ interaktiv zu machen, also dem User zusätzliche klickbare Informationen anzubieten, darunter auch weitere Videos.

Das Besondere: Der User soll diese während des Videos und im Videobild ansteuern können. „Lean Forward“ at its best, im Internet müssen Videobeiträge nicht immer die letzte abgeschlossene Ebene sein, die man lediglich wieder schließen kann.

Und da haben wir uns an Frank Schmiechen erinnert, den stellvertretenden Chefredakteur und ehemaligen Gast in der Axel-Springer-WG im Silicon Valley. Der hat dort Kontakt geknüpft zu Koldo Garcia von „The Mad Video“ – und nach seiner Rückkehr aus Palo Alto von der Technologie berichtet. Jetzt also der erste realistische Test mit dem Onlinetool.

Das Versprechen von „The Mad Video“: Einfaches und schnelles „taggen“. Und in der Tat: Vor dem Platzieren von zusätzlichem Content haben wir kein Tutorialvideo geschaut, keine Anleitung durchlesen müssen. Für digital einigermaßen versierte Journalisten erschließt sich das System intuitiv.

Videos taggen mit The Mad Video

Videos taggen mit The Mad Video

Die Anwender können zwischen verschiedenen Tag-Formaten wählen. Wir haben vier ausgewählt:

– „People“ für Martins Social-Media-Accounts während der einführenden Moderation

– „Product“ für Links zur Themenseite der „Welt“, zu diesem Blogpost und dem Youtube-Kanalabo

– „Place“ für die diversen Google-Maps-Standorte sowie

– „Video“ für unsere fünf eigenen (von VJ Christiane Wittenbecher gedrehten) und zwei von anderen Youtube-Usern eingebetteten Videos.

Timeline editieren mit The Mad Video

Timeline editieren mit The Mad Video

In einer Timeline wie in jedem Schnittprogramm kann man die Tags dann einzelnen Szenen, auch mehreren gleichzeitig, zuordnen. Man kann auch Szenen zerschneiden, so dass ein Tag erst während eines laufenden Bildes erscheinen kann.

Wie nun das Zusammenspiel von Drohnenbildern und der Interaktivität beim User ankommt?

Wir sind gespannt! Und freuen uns über Kommentare, auch hier unter diesem Blogpost!

 

4 comments for “Interaktives Drohnenvideo vom Tempelhofer Feld

  1. Leser
    2. Juni 2014 at 20:11

    „Die Reichweite des Videosenders beträgt etwa einen Kilometer.“
    Ist das überhaupt legal einen so starken Sender zu benutzen?

    • Phil Thoma
      3. Juni 2014 at 17:33

      @Leser: Die Reichweite erzielt man eher durch den Einsatz geeigneter Antennen, weniger durch die reine Leistung des Videosenders. Mit den in Deutschland zugelassenen 25mW bei 5.8 GHz und guten Antennen kann man so etwa 1000 Meter Reichweite erzielen. Mit Richtantennen lässt sich diese Reichweite jedoch nochmals enorm erhöhen (ich glaube 12 Kilometer sind der derzeitige Rekord) – allerdings sieht man dann den Kopter nicht mehr vom Boden aus und das führt dann zu einer ganz anderen luftrechtlichen Einstufung.

  2. Proton
    3. Juni 2014 at 09:34

    „Und die fallenden Preise machen einen Einsatz auch in unserem Bereich möglich.“
    Was kostet denn die oben beschriebene Ausstattung?

    „Was kostet eine Haftpflichtversicherung für einen Videoredakteur, was eine Aufstiegs-Genehmigung?“
    Werden diese Fragen auch irgendwo beantwortet?

    • Martin Heller
      3. Juni 2014 at 14:12

      Quadrokopter, Kamera und etwas Zubehör: 1500 Euro. Vor wenigen Jahren noch deutlich im fünfstelligen Bereich. Die Fragen beantworten wir, sobald möglich – sobald wir richtig loslegen, natürlich auch hier im Blog.

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