Interaktive Fotos auf dem Smartphone erstellen – Thinglink-App im Test

Videos, Bilder und Textfelder – verlinkt auf einem interaktiven Foto. Die iPhone-App Thinglink bietet interessante Möglichkeiten. Eine entscheidende Funktion fehlt jedoch, um in der journalistischen Praxis voll zu überzeugen.

Mal eben schnell von unterwegs eine interaktive Karte bauen oder verschiedene Videos auf einem Foto zusammenfassen – ohne Computer. Klingt für Multimediajournalisten genial, oder? Die gute Nachricht: Thinglink hält weitgehend, was es verspricht – allerdings kommt es als App auf dem Smartphone an seine Grenzen.

Handyfotos: Ja. Externe Links: Nein

Mein erstes interaktives Bild habe ich auf dem iPhone erstaunlich schnell aus Urlaubserinnerungen gebastelt. Foto antippen, Content auswählen, Kommentar dazu schreiben: fertig. Die Bedienung ist intuitiv, nicht mal zehn Minuten bis zur Veröffentlichung. Ich war ziemlich beeindruckt. Sogar das Video läuft direkt auf dem Foto los.

Allerdings hatte ich hier ausschließlich Mobile-Inhalte verwendet, also Fotos und Videoclips, die ich direkt vom Smartphone hochgeladen habe. Die Videoqualität ist etwas enttäuschend. Später habe ich herausgefunden, dass man das in den Einstellungen (vor dem Upload) verbessern kann. Nun war ich angefixt und wollte eine journalistische Geschichte produzieren.

Das Szenario

Ich bin als Reporterin beim Besuch der Kanzlerin im Weißen Haus und will am Ende des Tages mein Video, den Text meiner Kollegen sowie ein paar Handyfotos/-videos in einem interaktiven Bild zusammenfassen.

Der Test

Leider konnte ich mit der App nur Videos direkt vom Handy hochladen oder YouTube-Videos verlinken. Andere Quellen lassen sich nicht per App verlinken. Das SPIEGEL-ONLINE-Video, das nun auf dem Display der Kamera verlinkt ist, habe ich später über die Thinglink-Website am Rechner hinzugefügt. Es öffnet sich leider – im Gegensatz zu YouTube-Videos – in einem neuen Tab.

Auch den Artikel der Kollegen konnte ich nicht per App verlinken, sondern musste am Rechner nachhelfen. Am PC kann man auch andere Icons für die Verknüpfungen wählen – eine Funktion, die die App nicht bietet.

Die Pluspunkte

Das Video von den wartenden Kollegen im linken Eck hatte ich ursprünglich mit Vine (Video-App von Twitter) aufgenommen. Hier habe ich einfach die Orginaldatei vom Handy erneut hochgeladen. Ich bin erstaunt, dass Thinglink das ungewöhnliche (fast quadratische) Format von Vine so problemlos verarbeitet und es nicht verzerrt oder in einem 16:9-Player mit dicken schwarzen Rändern abspielt.

Das Embedden auf diesem WordPress-Blog geht auch intuitiv mit automatisch generiertem Embedcode. Das Thinglink-Bild ist responsiv, das heißt, es wird auch auf Smarphones korrekt dargestellt und funktioniert.

Die Minuspunkte

Vor dem Launchen dieses Artikels dann die Enttäuschung: die Thinglink-Fotos haben Teile meiner Formatierung zerschossen, ich muss im HTML-Feld des Editors wieder Leerzeilen und Absätze einfügen. Vielleicht liegt das aber auch am Template oder meinen sehr begrenzten HTML-Kentnissen.

Kann Thinglink Social Media? Leider nicht wirklich. Bei Twitter erscheint nur ein Link statt des (interaktiven) Fotos. Dies verführt nicht gerade zum Klicken. Und dass sich dahinter interaktiver Content verbirgt, können meine Follower nicht erkennen. Wenn man den Tweet anklickt, erscheint immerhin eine Vorschau.

Fast genauso öde sieht es bei Facebook aus:

Thinglink Test

Thinglink2 FB

 

Immerhin, wenn man den Link anklickt, öffnet sich das interaktive Bild auf der Facebook-Seite und lässt sich auch direkt bedienen. Bei Google Plus sieht der User zunächst ein ähnliches Vorschaubild wie bei Facebook. Allerdings öffnet sich beim Anklicken in einem neuen Tab die Thinglink-Seite, das Bild kann also nicht direkt bei g+ dargestellt und bedient werden. Das ist schade.

 

 

Mein Fazit

Thinglink ist genial, wenn man unkompliziert interaktive Bilder bauen will. (Falls man so eine Funktion nicht ohnehin im eigenen Redaktionssystem hat). Die Kollegen von der Berliner Morgenpost haben das beispielsweise mit dem legendären Bild von Obamas Team im Situation Room gemacht.

Für mich persönlich wären die interaktiven Fotos von Thinglink eine tolle Möglichkeit, schnell und relativ einfach meine Videos, passende Artikel, Handyfotos und Eindrücke zu einer Geschichte auf einem Bild zusammenzufassen. Ideal für die sozialen Netzwerke.

Allerdings wird die unscheinbare Darstellungsform vermutlich wenig Interaktion erzeugen, weil Twitter-User nicht wissen, was sie hinter dem Link erwartet. Und auch die Facebook-Präsentation sagt nicht gerade: Hier kommt eine besondere Multimedia-Geschichte.

Ich glaube deshalb nicht, dass sich der (geringe) Produktionsaufwand für mich in meiner täglichen Arbeit lohnen wird. Auf Twitter lassen sich Geschichten beispielsweise besser mit einem starken Foto bewerben, das Followern direkt angezeigt wird. Schade, dass die Social-Media-Giganten diese Option nicht auch für die interaktiven Fotos bieten.

Habt ihr Thinglink schon getestet? Postet eure Bilder als Kommentar oder schreibt uns, wie euch die Software gefällt!


2 thoughts on “Interaktive Fotos auf dem Smartphone erstellen – Thinglink-App im Test

  1. Ich lese zum ersten mal von der App. Ich denke aber, das der private Nutzer eher freude daran hat, als jemand, der damit sein Geld verdient. So wie ich das oben sehe ist das Interaktive Fotos ja richtig klasse.

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